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Adoleszenz: Warum Jugendliche online anders kommunizieren und welche Rolle Emojis spielen

Quelle des Artikels: BEE SECURE
https://www.bee-secure.lu/fr/news/adolescence-pourquoi-les-jeunes-communiquent-differemment-en-ligne-et-quel-role-jouent-les-emojis/

Der Alltag vieler junger Menschen spielt sich heute größtenteils online ab. Das Internet ist nicht mehr nur eine Informationsquelle oder ein Zeitvertreib. Es ist ein Lebensraum mit eigenen Regeln, Codes und Begegnungsorten.

Wie in der analogen Welt wird dieser Raum von den verschiedenen Generationen unterschiedlich wahrgenommen. Die Netflix-Serie „Adolescence“ veranschaulicht diese Realität und wirft wichtige Fragen auf, insbesondere für Eltern, Erzieher und Lehrkräfte.

Ein Ort, viele Bedeutungen: Die Welt mit verschiedenen Augen sehen

Ein gutes Beispiel aus dem wirklichen Leben ist der Vorplatz der Kathedrale in Luxemburg-Stadt. Für viele Erwachsene ist er ein geschichtsträchtiger Ort, für Jugendliche ein Skateboard-Spot. Eine einfache öffentliche Bank kann für die einen Teil der Kulisse eines Spielplatzes sein und für die anderen zu einem Treffpunkt nach der Schule werden.

Dasselbe gilt für das Internet. Während Erwachsene Plattformen wie TikTok oder Instagram hauptsächlich als Unterhaltungsmedien betrachten, finden junge Menschen dort auch ein Gefühl der Zugehörigkeit, eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung und eine Gemeinschaft – manchmal sogar Orientierung oder Sinn.

Diese unterschiedlichen Perspektiven können leicht zu Missverständnissen führen, vor allem, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht. Das gilt nicht nur für Wörter, sondern auch für Emojis.

Emojis: Mehr als nur bunte Bilder?

Was auf den ersten Blick harmlos erscheint, kann im digitalen Alltag eine viel tiefere Bedeutung haben. Emojis sind ein fester Bestandteil der Online-Kommunikation junger Menschen. Sie ersetzen nonverbale Signale, helfen beim Ausdruck von Emotionen und werden in verschiedenen Gemeinschaften sehr unterschiedlich verwendet.

In einigen Fällen nehmen sie sogar bestimmte Bedeutungen an oder werden zu Codes, die für Außenstehende nicht sofort verständlich sind.

Eine Szene aus der Serie „Adolescence“ zeigt deutlich, wie bestimmte Emojis in bestimmten Online-Subkulturen als Codes verwendet werden. In diesem Fall handelt es sich um Symbole aus der sogenannten „Manosphäre“, einem digitalen Umfeld, in dem unter anderem frauenfeindliche Ideologien verbreitet werden.

Die Emojis beziehen sich auf die „Incel“-Gemeinschaft. Der Begriff steht für unfreiwillig alleinstehende Männer, die sich selbst als sozial benachteiligt ansehen und Frustration oder Ablehnung gegenüber Frauen entwickeln.

Weitere Informationen zum Begriff „Incel“: https://fr.wiktionary.org/wiki/incel

Beispiele aus der Serie:

  • 🧨 Dynamit: steht für einen Incel, also einen Mann, der sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlt.

  • 💯 100-Emoji: symbolisiert die „80/20-Regel“, nach der nur wenige Männer als attraktiv wahrgenommen würden. Dieses Argument wird häufig in Incel-Foren aufgegriffen.

  • 💊 Rote Pille: bezieht sich auf die vermeintliche „Erkenntnis“, dass Frauen manipulativ und Männer systematisch benachteiligt seien.

Es ist jedoch wichtig, daran zu erinnern, dass Emojis an sich nicht gefährlich sind. In den allermeisten Fällen dienen sie lediglich dazu, eine Aussage zu betonen oder einen gewissen Spaßfaktor hinzuzufügen.

Eltern und Lehrkräfte müssen sich daher nicht bei jedem Emoji Sorgen machen. Es ist dennoch wichtig, aufmerksam zu bleiben, wenn mehrere Signale auf problematische Inhalte oder die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen hindeuten.

Eine Übersicht über gängige Emoji-Codes und ihre möglichen Bedeutungen, auch in problematischen Zusammenhängen, finden Sie beispielsweise in einem Artikel von DER STANDARD:
https://www.derstandard.de/story/3000000263025/mobbing-drogen-sex-emoji-codes-die-eltern-kennen-sollten

Was Eltern, Lehrkräfte und Erziehungspersonal tun können

Auch wenn es unmöglich ist, alle digitalen Subkulturen zu kennen oder jedes Emoji zu entschlüsseln, können Erwachsene Jugendliche begleiten, ohne jedes Detail der Emoji-Welt beherrschen zu müssen.

  1. Offen bleiben

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Online-Erfahrungen, ohne zu urteilen oder voreilige Schlüsse zu ziehen. Interesse zu zeigen, statt zu kontrollieren, trägt zum Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung bei.

  1. Gemeinsam hinschauen

Sehen Sie sich gemeinsam an, welche Apps und Inhalte genutzt werden. Fragen Sie, was bestimmte Symbole oder Trends bedeuten. Jugendliche sind häufig bereit, diese zu erklären.

  1. Warnsignale erkennen

Achten Sie auf Verhaltensänderungen, sozialen Rückzug, schlechtere Schulleistungen oder ungewöhnliche Äußerungen. Diese können auf Unwohlsein oder den Kontakt mit problematischen Inhalten hindeuten.

  1. Kritisches Denken fördern

Ermutigen Sie Jugendliche zu einem kritischen Umgang mit Online-Inhalten. Sprechen Sie über Desinformation, Algorithmen und darüber, wie diese erkannt werden können:
https://www.bee-secure.lu/fr/risks/desinformation/

  1. Hilfsangebote nutzen

Wenn Sie Zweifel haben oder den Eindruck gewinnen, dass Ihr Kind eine schwierige Zeit durchmacht, können Sie sich an die BEE SECURE Helpline wenden. Dieser Beratungsdienst ist kostenlos, anonym und unter der Telefonnummer 8002 1234 oder über das folgende Kontaktformular erreichbar:
https://www.bee-secure.lu/fr/helpline/

Eine Einladung zum Dialog, nicht zur Panik

Die Serie „Adolescence“ zeigt, wie komplex die digitale Welt für junge Menschen sein kann, aber auch, dass Verständnis viel wichtiger ist als Besorgnis.

Nicht jedes Emoji ist ein Warnsignal und nicht jeder Trend ist problematisch. Entscheidend ist, wie wir darauf reagieren: mit Offenheit, Vertrauen und Dialogbereitschaft.

Solche Serien und Themen können eine Gelegenheit bieten, sich aufrichtig über unterschiedliche Wahrnehmungen, digitale Ausdrucksformen und das Gefühl der Zugehörigkeit auszutauschen, aber auch über Ablehnung, Hass und Geschlechterstereotype.

Je besser wir einander verstehen, desto besser können wir gemeinsam ein sicheres digitales Umfeld schaffen.

Zusätzliche Informationen und Ressourcen